Am Wochenende war ich auf einer Bloglesung mit dem Namen
Herbstschmerz. Auf so gefühlsschwangere Namen steh' ich ja eigentlich gar nicht. Aber was soll der Gram. Ist wohl hip. Oder so.
Gelesen haben eine Frau namens
Fragmente. Ich mein, ich kenn ja Frauen, die heisse Schmidt oder Müller oder Giaminiano, aber Fragmente war mir neu. Desweiteren ein Herr
Bandini,
500 Beine und
MC Winkel. Letzterer stand auch als George Michael Imitat in Form eines Pappaufstellers rum.
Fazit: Die 4 Euro Unkostenbeitrag für meine erste Lesung im Wartezimmer eines Piercingstudios haben sich gelohnt. Normalerweise les' ich da ja immer den Spiegel oder den Stern oder noch lieber das alte ADAC Heft mit Lesezirkelumschlag. Okay, eigentlich war ich noch nie im Wartezimmer eines Piercingstudios, aber ich würde das bestimmt da lesen. Zwischen 14-jährigen (das schreibt man wohl jetzt so), die ihrem pubertären Abnabelungsdrang zum Ungemach ihrer Eltern Luft machen, und SM-Jüngern, die mit steigendem Alter noch eine freie Hautfläche zum wieder festtackern erworben haben. Wie gesagt, ich war noch nie in einem Piercingstudio, aber so ungefähr stelle ich mir das vor.
Es ist schon interessant. Da trifft sich also die Advantgarde der Soapproduzenten und Gefühlsdarsteller mitten in Frankfurt. Und ich mittendrin. Ich kann ja mit so Gefühlsduselei und gegenseitigem Temperatur fühlen nicht soo viel anfangen. So richtig verständnisvoll bin ich nicht. Kein intellektueller Exkurs heute Abend, bitte.
Es ist dennoch ein kunterbunter Haufen an Leuten. Allesamt recht freundlich, aber einige unglaublich verspannt. Zwischendurch unterhalte ich mich mit einem. Der hat ein Buch gewonnen, weil er mit Google herausgefunden hat, dass irgendwer mit irgendwem mal in der Grundschule war. Ich habe das nicht so ganz mitbekommen. War wohl ein Gewinnspiel oder so. Jetzt nicht 9Live, sondern irgendwie mit Sinn. Ich hab's aber nicht kapiert. Dann fängt der Kerl an mir von seiner Ex-Freundin zu erzählen. Hab ich auch nicht kapiert.